Elektromotor fürs Boot: wie weit kommst du mit einer Ladung? Reichweite von Torqeedo, ePropulsion und Aquamot
Von 7 bis 171 km mit einer Ladung: Herstellerdaten von Torqeedo, ePropulsion und Aquamot zeigen, warum das Tempo die Reichweite bestimmt.
Mit einer Akkuladung kommst du je nach Motor, Akku und Tempo zwischen 7 und 171 km weit. Den größten Einfluss hat nicht der Akku, sondern die Geschwindigkeit: Bei langsamer Fahrt schafft derselbe Motor mit demselben Akku meist das Zwei- bis Vierfache der Strecke bei Vollgas, im Schritttempo sogar mehr als das Zehnfache. Das zeigen die Fahrtabellen von Torqeedo, ePropulsion und Aquamot.
Wovon hängt die Reichweite eines Elektro-Bootsmotors ab?
Die Reichweite hängt vor allem von drei Dingen ab: wie viel Energie im Akku steckt (kWh), wie viel Leistung der Motor gerade zieht (Watt) und wie schnell das Boot dabei fährt. Dazu kommen Rumpfform, Gewicht, Wind, Welle und Strömung. Deshalb nennen die Hersteller ihre Werte immer mit einem Testboot, vom Kajak bis zum Daysailer.
Die Grundrechnung ist einfach: Fahrzeit = Akkuinhalt ÷ Leistung. ePropulsion rechnet im Handbuch selbst so: Ein Akku mit 3.000 Wh reicht für etwa eine Stunde Vollgas mit dem Navy 3.0 Evo (ePropulsion Handbuch Navy 3.0 Evo, S. 14). Die Reichweite ist dann Fahrzeit mal Geschwindigkeit. Weil die Leistung mit dem Tempo viel stärker steigt als die Geschwindigkeit, bricht die Reichweite bei Vollgas ein.
Wie weit kommen kleine Außenborder bis 2 kW?
Kleine Außenborder mit 0,6 bis 1,5 kWh Akku schaffen bei langsamer Fahrt 20 bis 171 km, bei Vollgas nur 7 bis 13 km. So steht es in den Tabellen der Hersteller:
| Motor und Akku | Langsam | Vollgas | Testboot laut Hersteller |
|---|---|---|---|
| Torqeedo Travel XS (0,648 kWh) | 29 km bei 4,4 km/h | 7 km bei 7,5 km/h | Schlauchboot YAM 275 Air (Torqeedo) |
| Torqeedo Travel S/L (1,08 kWh) | 22 km bei 5,6 km/h | 8,5 km bei 8,6 km/h | 3,8-m-Schlauchboot (Torqeedo) |
| Torqeedo Travel S/L (1,512 kWh) | 29,1 km bei 5,6 km/h | 11,2 km bei 8,6 km/h | 3,8-m-Schlauchboot (Torqeedo) |
| Torqeedo Travel XP (1,512 kWh) | 20,4 km bei 6,5 km/h | 7,8 km bei 10 km/h | 3,8-m-Schlauchboot (Torqeedo) |
| Torqeedo Travel Ultralight (1,08 kWh) | 171 km bei 3,2 km/h | 11,7 km bei 11,9 km/h | Kajak ATAK 140 (Torqeedo) |
| ePropulsion Spirit 1.0 (1,276 kWh) | 129 km bei 3,5 km/h | 12,5 km bei 10 km/h | 12-Fuß-Aluboot, 1 Person, ruhiger See (ePropulsion) |
| ePropulsion Spirit 2 (1,539 kWh) | 21 km bei 7,4 km/h | 13 km bei 17,5 km/h | 11,5-Fuß-Aluboot, 65 kg (ePropulsion) |
Die sehr hohen Werte gelten nur für Schritttempo und leichte Boote: 171 km schafft der Travel Ultralight am Kajak bei 3,2 km/h, das sind über 53 Stunden Fahrt. Beim Spirit 2 rechnet ePropulsion von 100 auf 5 % Ladezustand. Welche Motoren in diese Klasse gehören und was sie kosten, steht in Elektro-Außenborder: Torqeedo und ePropulsion im Vergleich.
Wie weit kommen größere Außenborder mit 3 bis 6 kW?
Mit einem separaten Akku von 4 bis 9 kWh kommen die größeren Modelle bei langsamer Fahrt 35 bis 116 km weit, bei hohem Tempo rund 12 bis 37 km:
| Motor und Akku | Langsam | Schnell | Testboot laut Hersteller |
|---|---|---|---|
| Torqeedo Cruise 3.0 (5 kWh) | 83,4 km bei 6,5 km/h | 14,6 km bei 11 km/h | Daysailer (Torqeedo Broschüre, S. 3) |
| Torqeedo Cruise 3.0 R/T | 54 km bei 7,6 km/h | 21 km bei 12,8 km/h | Barro 520-SL (Torqeedo) |
| Torqeedo Cruise 6.0 (5 kWh) | 35 km bei 7 km/h | 11,7 km bei 14 km/h | 3,8-m-Schlauchboot (Torqeedo Broschüre, S. 4) |
| Torqeedo Cruise 6.0 R/T | 66 km bei 6,6 km/h | 20 km bei 24,5 km/h | Barro 520-SL (Torqeedo) |
| ePropulsion Navy 3.0 Evo (4,096 kWh) | 79,3 km bei 6 km/h | 21,9 km bei 16,4 km/h | 12-Fuß-Aluboot, 1 Person, ruhiger See (ePropulsion) |
| ePropulsion Navy 6.0 Evo (8,96 kWh) | 116 km bei 6,5 km/h | 36,5 km bei 24,3 km/h | 12-Fuß-Aluboot, 1 Person, ruhiger See (ePropulsion) |
Bei Torqeedo nennt die Produkttabelle zum Barro 520-SL keinen Akku, die Produktseite empfiehlt den Power 48-5000 mit 5 kWh. Auffällig: Beim Cruise 6.0 am Barro gibt Torqeedo für Vollgas mehr Strecke an (20 km) als für Halbgas (18 km), und beim Navy 6.0 Evo nennt ePropulsion für 4.000 W mehr Strecke (41,7 km) als für 3.000 W (39 km). Sobald ein leichtes Boot ins Gleiten kommt, kann schnelle Fahrt also wieder etwas effizienter werden. Bei Verdrängern wie Segelbooten passiert das nicht.
Wie lange fahren Elektroboote mit Unterflurmotor?
Für fest eingebaute Unterflurmotoren nennt der österreichische Hersteller Aquamot Fahrzeiten statt Strecken. Mit Aquamot-Akkus zu je 12 V und 260 Ah (Anzahl in der Tabelle) fahren die Motoren so lange:
| Motor | Teillast | Halblast | Volllast |
|---|---|---|---|
| Aquamot Trend 2.2 UF (2 Akkus) | 10 h | 5,5 h | 2 h 15 min |
| Aquamot Trend 4.3 UF (4 Akkus) | 10 h | 5,5 h | 2 h 15 min |
| Aquamot Trend 6.0 UF (4 Akkus) | 6 h | 2 h 35 min | 1 h 20 min |
| Aquamot Trend 8.0 UF (4 Akkus) | 5 h 10 min | 3 h | 1 h 20 min |
Quellen: Produktseiten Trend 2.2 UF, 4.3 UF, 6.0 UF, 8.0 UF, jeweils FAQ. Die Akkuladung in kWh nennt Aquamot nicht; nach unserer Rechnung haben vier Akkus mit 12 V und 260 Ah zusammen 12,48 kWh. Geschwindigkeiten nennt Aquamot zu diesen Fahrzeiten nicht. Als Faustregel für die nötige Leistung gibt Aquamot 1 bis 2 kW pro Tonne Bootsgewicht an, je nach Rumpf und mit Reserven gegen Wind und Welle (Aquamot). Diese Motoren stecken zum Beispiel in den führerscheinfreien Booten aus Leines und MY-Electroboat im Vergleich.
Wie viel Strom braucht ein Elektroboot pro Kilometer?
Bei langsamer Fahrt braucht ein kleines Boot rund 10 bis 80 Wh pro Kilometer, bei Vollgas 100 bis 250 Wh. Das ist unsere Rechnung aus den Herstellertabellen, Leistung geteilt durch Geschwindigkeit:
- ePropulsion Spirit 1.0 am 12-Fuß-Aluboot: 35 W bei 3,5 km/h sind 10 Wh/km, 1.000 W bei 10 km/h sind 100 Wh/km (ePropulsion).
- ePropulsion Navy 3.0 Evo: 300 W bei 6 km/h sind 50 Wh/km, 3.000 W bei 16,4 km/h sind 183 Wh/km (ePropulsion).
- ePropulsion Navy 6.0 Evo: 500 W bei 6,5 km/h sind 77 Wh/km, 6.000 W bei 24,3 km/h sind 247 Wh/km (ePropulsion).
Doppeltes Tempo kostet also ein Mehrfaches an Strom pro Kilometer. Wer die Strecke kennt, plant mit Marschfahrt, nicht mit Vollgas. Wo du unterwegs Strom bekommst, zeigt unsere Ladekarte für Elektroboote.
Was bedeuten Watt, Eingangsleistung und Wirkungsgrad?
Die Watt-Zahl auf dem Datenblatt ist meist die Eingangsleistung, also der Strom, den der Motor aus dem Akku zieht. An der Schraube kommt weniger an. Torqeedo nennt beim Cruise 6.0 eine Dauer-Eingangsleistung von 6.000 W und eine nominale Wellenleistung von 4.900 W, beim Cruise 3.0 sind es 3.000 und 2.300 W (Torqeedo Handbuch Cruise). ePropulsion gibt den maximalen Gesamtwirkungsgrad an: 55 % beim Spirit 1.0, 51 % beim Navy 3.0 Evo und 48 % beim Navy 6.0 Evo (Handbuch Navy 3.0 Evo, Navy 6.0 Evo). Aquamot nennt für seine Professional-Unterflurmotoren 92 % Motorwirkungsgrad, also ohne Schraube (Aquamot Prospekt).
Für die Reichweite zählt die Eingangsleistung, denn sie leert den Akku. Für den Führerschein zählt in Deutschland die Leistung des Motors; bis wie viel kW du ohne Schein fahren darfst, steht in Boot fahren ohne Führerschein.
Quellen und Bildrechte
- Bilder
- Zülfü Demir / Pexels (Bedingungen)
- Geprüft
- 29. Oktober 2026 von Andreas Lakeberg
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